Rückhaltebecken — StormWater Solutions

Ein Rückhaltebecken ist ein Speicherbauwerk, das Niederschlagswasser zwischenspeichert und gedrosselt an Kanalnetz, Versickerungsanlage oder Gewässer weitergibt. Es begrenzt den Abflussscheitel und schützt damit nachgeschaltete Leitungen und Gewässer vor hydraulischer Überlastung. Das erforderliche Speichervolumen ergibt sich nach DWA-A 117 aus dem Zufluss des Bemessungsregens und dem zulässigen Drosselabfluss, die Bemessungsregen selbst aus KOSTRA-DWD 2020. Bei Anlagen mit Anforderungen an die Gewässerbelastung sind zusätzlich die Regelwerke zur Behandlung von Niederschlagswasser nach DWA-A 102 zu beachten.

Bauarten von Rückhaltebecken

Die Bauart folgt aus verfügbarer Fläche, Flurabstand, Nutzungsanspruch der Oberfläche und den Anforderungen an Dichtheit. Offene Becken sind kostengünstig und gut wartbar, benötigen aber Fläche und werden häufig eingezäunt. Geschlossene und unterirdische Lösungen erhalten die Nutzbarkeit der Oberfläche und eignen sich für innerstädtische Grundstücke, Verkehrs- und Gewerbeflächen.

Bauart Bauweise und Dichtung Typische Eignung
Erdbecken, offen Erdmodellierte Mulde mit Böschungen, Abdichtung über Geomembran oder Bentonitmatte Große Volumina bei ausreichend verfügbarer Fläche
Betonbecken Ortbeton- oder Fertigteilbauwerk, offen oder überdeckt Beengte Verhältnisse und hohe Anforderungen an Dichtheit
Unterirdisches Rohrrückhaltebecken Parallel verlegte korrugierte Stahlwellenrohre großer Nennweite mit Verfüllung und Erdüberdeckung Flächen, die weiter genutzt werden, etwa Park- und Verkehrsflächen
Stauraumkanal Vergrößerter Kanalabschnitt mit Drosselung, mit oder ohne Dauerstau Rückhaltung im Netz, wenn kein separates Becken möglich ist

Bemessung nach DWA-A 117

Grundlage der Bemessung ist die Gegenüberstellung von Zufluss und Abfluss. Der Zufluss folgt aus der abflusswirksamen Fläche und der Regenspende der jeweiligen Dauerstufe, der Abfluss aus dem zulässigen Drosselabfluss, der von der Aufnahmefähigkeit des Vorfluters oder Kanals begrenzt wird. Das erforderliche Volumen ist die größte Differenz zwischen Zufluss- und Abflussvolumen über alle betrachteten Regendauern.

Praktisch bedeutet das eine Berechnung über sämtliche Dauerstufen der Niederschlagsstatistik, weil die maßgebende Regendauer nicht vorab bekannt ist. Je kleiner der Drosselabfluss, desto länger wird die kritische Regendauer und desto größer das Volumen. Zu berücksichtigen sind ferner die geforderte Regenhäufigkeit beziehungsweise Wiederkehrzeit, Zuschläge für Betriebsunsicherheiten und Verlandung sowie der Nachweis der Entleerungszeit. Für größere Stauanlagen und Hochwasserrückhaltebecken gelten zusätzlich die Anforderungen der Normenreihe DIN 19700; die Einleitung in ein Gewässer bedarf einer wasserrechtlichen Erlaubnis.

Trockenbecken und Nassbecken

Trockenbecken laufen nach dem Ereignis vollständig leer und stehen zwischen den Ereignissen trocken. Sie sind einfach zu kontrollieren, gut zu räumen und lassen sich als multifunktionale Fläche gestalten. Voraussetzung ist eine zuverlässige Entleerung über Drossel oder Versickerung; verbleibende Restwassermengen führen zu Vernässung, Geruchsbildung und erhöhtem Pflegeaufwand.

Nassbecken besitzen einen Dauerstau. Der stehende Wasserkörper wirkt als Sedimentationsraum und trägt zur Rückhaltung partikulär gebundener Stoffe bei, weshalb Nassbecken vor allem dort eingesetzt werden, wo neben der Mengenrückhaltung eine Behandlung des Niederschlagswassers gefordert ist. Sie benötigen ausreichende Wassertiefe, eine gesicherte Wasserbilanz und ein Konzept für die Entnahme des Sediments. Bei unterirdischen Rohrbecken wird die Behandlung in der Regel in vorgeschaltete Anlagen verlagert, damit der Speicherraum selbst schlammarm bleibt.

Notüberlauf, Drosselschacht und Wartung

Zur funktionalen Ausrüstung eines Rückhaltebeckens gehören der Zulauf mit Energieumwandlung, das Drosselorgan, der Notüberlauf sowie Zugänge für Kontrolle und Reinigung. Der Notüberlauf ist auf ein Ereignis oberhalb des Bemessungsfalls auszulegen und muss das Wasser auf einem definierten, schadlosen Weg abführen. Die Drossel wird in einem eigenen Schacht angeordnet, damit sie kontrollierbar und im Bedarfsfall austauschbar bleibt. Wiederkehrende Aufgaben im Betrieb sind:

  • Sichtkontrolle nach jedem stärkeren Regenereignis, insbesondere an Drossel und Notüberlauf
  • Kontrolle und Reinigung des Drosselorgans, da Laub und Grobstoffe zur Verlegung führen
  • Messung und Räumung von Sediment sowie Dokumentation der Räumintervalle
  • Pflege von Böschungen und Zugängen, Sicherung von Zäunen und Abdeckungen
  • Prüfung von Dichtung, Bauwerksfugen und Rohrverbindungen auf Undichtigkeiten

Ein Betriebs- und Wartungsplan mit festen Intervallen und dokumentierten Verantwortlichkeiten ist Voraussetzung dafür, dass das rechnerisch nachgewiesene Volumen im Ereignisfall tatsächlich verfügbar ist.

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Rückhalteräume aus großformatigen Stahlwellenrohren gehören zum Programm der Lösungen für Regenwassermanagement; weiterführende Angaben finden Sie auf den Seiten zum Retentionsbecken und zur Regenwasserrückhaltung. Die gedrosselte Abgabe erläutert der Beitrag zum Drosselschacht, die Ermittlung des Zuflusses der Beitrag zum Abflussbeiwert. Zur Einbindung in das Netz siehe Kanalisation, zur Abdichtung offener Becken den Beitrag zur Geomembran, und zur baugleichen Speicherung von Brauchwasser den Beitrag zum Löschwasserbehälter.

Häufige Fragen zu Rückhaltebecken

Wie wird das erforderliche Volumen ermittelt?

Das Volumen ergibt sich nach DWA-A 117 als größte Differenz zwischen zugeflossenem und abgeführtem Wasservolumen, berechnet über alle Regendauern der Niederschlagsstatistik. Eingangsgrößen sind die abflusswirksame Fläche, die Regenspenden nach KOSTRA-DWD 2020, die geforderte Wiederkehrzeit und der zulässige Drosselabfluss. Je kleiner der Drosselabfluss, desto länger die maßgebende Regendauer und desto größer das Volumen.

Wann ist ein unterirdisches Rohrrückhaltebecken sinnvoll?

Sinnvoll ist es, wenn die Oberfläche weiter genutzt werden soll oder keine Fläche für ein offenes Becken zur Verfügung steht, etwa unter Park-, Hof- und Verkehrsflächen. Großformatige Stahlwellenrohre stellen das Volumen bei geringer Bauzeit bereit und werden über Verfüllung und Erdüberdeckung tragfähig eingebunden. Erforderlich sind Zugänge für Inspektion und Reinigung sowie eine Vorbehandlung gegen Sedimenteintrag.

Welche Genehmigungen sind erforderlich?

Die Einleitung von Niederschlagswasser in ein Gewässer oder in das Grundwasser ist eine Gewässerbenutzung und bedarf einer wasserrechtlichen Erlaubnis der zuständigen Behörde. Bei Einleitung in eine öffentliche Kanalisation gelten die Satzung und die Vorgaben des Netzbetreibers, insbesondere zum zulässigen Drosselabfluss. Größere Stauanlagen unterliegen zusätzlich den Anforderungen der Normenreihe DIN 19700 und einer eigenen Betriebsvorschrift.

Wie oft muss ein Rückhaltebecken gewartet werden?

Kontrollen sind nach stärkeren Regenereignissen und in festen Intervallen durchzuführen, mit Schwerpunkt auf Drosselorgan und Notüberlauf, da Verlegungen dort unmittelbar die Funktion aufheben. Sedimentmengen sind zu messen und nach Bedarf zu räumen. Die Intervalle sind im Betriebs- und Wartungsplan festzulegen und richten sich nach Bauart, Einzugsgebiet, Stoffeintrag und den Vorgaben der Genehmigung.