Straßenentwässerung — StormWater Solutions

Straßenentwässerung umfasst alle Anlagen und Maßnahmen, mit denen Niederschlagswasser von der Fahrbahn abgeführt, gesammelt, bei Bedarf behandelt und anschließend versickert oder in einen Vorfluter eingeleitet wird. Sie dient zwei Zielen gleichzeitig: der Verkehrssicherheit, weil stehendes Wasser Aquaplaning und Blendung begünstigt, und dem Gewässerschutz, weil Straßenabflüsse mit abfiltrierbaren Stoffen, Reifenabrieb und Schwermetallen belastet sind. Maßgebende Regelwerke sind RAS-Ew für die Entwässerung von Straßen und DWA-A 102 für den Umgang mit Niederschlagswasser aus Siedlungsgebieten und Verkehrsflächen.

Regelwerke und Planungsgrundlagen

RAS-Ew beschreibt die entwässerungstechnische Ausbildung des Straßenkörpers, also die Führung des Wassers auf der Oberfläche, die Ableitungselemente und deren Bemessung. DWA-A 102 regelt die weitergehende Frage, wie belastet der Abfluss einer Fläche ist und welche Behandlung vor einer Einleitung notwendig wird; bei Versickerungsanlagen greift zusätzlich DWA-A 138. Für Bauwerke im Zuge von Bundesfernstraßen sind ergänzend die Regelungen der RE-ING zu beachten, für die Bemessung der Regenspenden die örtlichen Starkregenhöhen nach KOSTRA-DWD 2020. Der Planungsablauf folgt daraus in fester Reihenfolge: Zunächst wird der Abfluss der Fläche für das gewählte Bemessungsereignis ermittelt, dann der Ableitweg festgelegt, anschließend der Behandlungsbedarf bestimmt und zuletzt der Nachweis für den Einleitpunkt geführt. Zuständigkeiten und wasserrechtliche Erlaubnis sind frühzeitig mit der Wasserbehörde und dem Baulastträger abzustimmen, weil sie die Wahl der Anlage bestimmen.

Ableitungswege und Mindestneigungen

Das Wasser muss zunächst zügig von der Fahrbahnoberfläche und danach kontrolliert aus dem Straßenkörper geführt werden. Die folgenden Elemente werden kombiniert, ihre Wirksamkeit hängt unmittelbar an der eingehaltenen Neigung.

Element Funktion Hinweis zur Neigung
Quer- und Längsneigung der Fahrbahn Abführen des Wassers von der Oberfläche zum Fahrbahnrand Querneigung in der Regel mindestens 2,5 %, Längsneigung mindestens 0,5 %
Bord mit Straßenablauf Sammeln am Fahrbahnrand und punktuelle Aufnahme in die Rohrleitung Ablaufabstand aus Abfluss und Aufnahmefähigkeit, kritisch in Wannen und Anrampungen
Mulde und Bankett Flächenhaftes Aufnehmen, Ableiten und teilweises Versickern über die belebte Bodenzone Stetiges Längsgefälle, sonst Vernässung und Auskolkung
Längsdränage mit Sickerrohr Entwässerung des Oberbaus und des Planums, Absenken von Schichtenwasser Stetiges Gefälle ohne Gegengefälle, gesicherter Auslauf
Regenwasserkanal oder Sammelleitung Weitertransport zum Behandlungsbauwerk, zur Versickerung oder zur Vorflut Bemessung auf Vollfüllung, Rückstauebene beachten

Behandlungsbedarf nach Verkehrsbelastung

Ob und wie stark der Abfluss behandelt werden muss, hängt von der Belastung der Herkunftsfläche ab. DWA-A 102 ordnet Verkehrsflächen dazu anhand der Nutzung und der durchschnittlichen täglichen Verkehrsstärke DTV in Belastungskategorien ein; daraus ergibt sich, ob eine Einleitung ohne Behandlung möglich ist oder welche Behandlungsstufen erforderlich werden. Gering belastete Flächen wie wenig befahrene Anliegerstraßen können häufig über die belebte Bodenzone einer Mulde entwässert werden, die Sedimentation, Filtration und Sorption in einem Schritt leistet. Mit steigender Verkehrsstärke nimmt der Eintrag an abfiltrierbaren Stoffen, Reifen- und Bremsabrieb sowie Schwermetallen zu, sodass Sedimentationsanlagen, Substrat- oder Rinnenfilter oder Anlagen mit geprüfter Reinigungsleistung eingesetzt werden. Zusätzlich zu berücksichtigen sind der Umgang mit Tausalz im Winterdienst, die Empfindlichkeit des aufnehmenden Gewässers sowie der Rückhalt bei Havarien, für den auf hoch belasteten Streckenabschnitten absperrbare Becken vorgesehen werden.

Straßenabläufe, Betrieb und Wartung

Der Straßenablauf ist die am stärksten beanspruchte Komponente. Betonteile für Straßenabläufe sind in DIN 4052 geregelt, die zugehörigen Aufsätze und Roste nach DIN EN 124 in Tragfähigkeitsklassen eingeteilt; in Fahrbahnen wird üblicherweise die Klasse D 400 verwendet. Unterhalb des Rostes hält ein Schlammeimer Sand und Laub zurück, ein Geruchsverschluss verhindert bei Anschluss an einen Mischwasserkanal den Austritt von Kanalgasen. Die Lage der Abläufe ist an Tiefpunkten, in Wannen und im Bereich von Anrampungen sorgfältig zu planen, weil dort die Querneigung durchläuft und sich Wasser sammelt. Im Betrieb entscheidet die Reinigung über die Funktion: Werden Schlammeimer und Roste nicht regelmäßig geleert und freigehalten, sinkt die Aufnahmefähigkeit erheblich, insbesondere im Herbst und nach dem Winterdienst. Zum Unterhalt gehören außerdem das Mähen und Freihalten der Mulden, das Spülen der Leitungen und die Kontrolle der Behandlungsanlagen mit dokumentierten Intervallen.

Verwandte ViaCon-Lösungen

Für Verkehrsflächen bündelt ViaCon die einschlägigen Bauteile unter StormWater Solutions; Leitungen und Bauwerke für den Weitertransport sind unter Regenwassertransport dargestellt, Anlagen zur Reinigung des Abflusses unter ViaCon Treat Solutions. Vertiefend erläutern die Glossarbeiträge die Entwässerung als Oberbegriff, den Leichtflüssigkeitsabscheider für ölbelastete Flächen, das Drainagerohr in der Längsdränage sowie die Muldenversickerung als naturnahen Ableitweg.

Häufige Fragen zur Straßenentwässerung

Welche Regelwerke sind maßgebend?

Für die entwässerungstechnische Ausbildung der Straße gilt RAS-Ew, für Bewertung und Behandlung des Abflusses DWA-A 102 und für Versickerungsanlagen DWA-A 138. Bei Bauwerken im Zuge von Bundesfernstraßen kommen die Regelungen der RE-ING hinzu. Die Regenspenden für die Bemessung werden ortsbezogen aus Starkregenauswertungen wie KOSTRA-DWD 2020 abgeleitet.

Welche Mindestneigungen sind einzuhalten?

Für die Fahrbahn gelten in der Regel eine Querneigung von mindestens 2,5 % und eine Längsneigung von mindestens 0,5 %, damit das Wasser zügig zum Rand und von dort abfließt. Besondere Aufmerksamkeit erfordern Anrampungsbereiche und Wannen, in denen die Querneigung durchläuft oder Wasser zusammenläuft; dort sind Ablauflage und Abstände gesondert nachzuweisen.

Wann ist eine Behandlung des Straßenabflusses erforderlich?

Sobald die Herkunftsfläche nach DWA-A 102 als belastet einzustufen ist. Ausschlaggebend sind Nutzung und durchschnittliche tägliche Verkehrsstärke sowie die Empfindlichkeit des aufnehmenden Gewässers oder des Grundwassers. Gering belastete Flächen können häufig über die belebte Bodenzone entwässert werden, während stärker befahrene Straßen Sedimentations- oder Filteranlagen mit nachgewiesener Reinigungsleistung benötigen.

Wie oft müssen Straßenabläufe gereinigt werden?

Das Intervall richtet sich nach Schmutzanfall, Umfeld und Bedeutung der Strecke und wird vom Baulastträger festgelegt. Praktisch entscheidend sind die Zeiträume mit hohem Eintrag: nach Laubfall im Herbst und nach dem Winterdienst mit Splitt- und Salzresten. Bleiben Schlammeimer gefüllt oder Roste zugesetzt, sinkt die Aufnahmefähigkeit deutlich, und es kommt zu örtlichen Überstauungen.