Die Muldenversickerung ist ein Verfahren der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung, bei dem Niederschlagswasser in einer flachen, bewachsenen Geländemulde zwischengespeichert und über eine belebte Oberbodenzone flächenhaft in den Untergrund versickert. Sie zählt zu den Flächen- und Mulden-Rigolen-Verfahren, die im Arbeitsblatt DWA-A 138 geregelt sind. Charakteristisch sind die geringe Einstautiefe, der breitflächige Zulauf und die Reinigungswirkung der durchwurzelten Bodenschicht. Damit entlastet die Muldenversickerung Kanalnetz und Gewässer und stützt die Grundwasserneubildung am Ort des Niederschlags.
Aufbau und Funktionsweise einer Versickerungsmulde
Eine Versickerungsmulde ist eine flache Geländevertiefung mit ebener Sohle, flach geneigten Böschungen und geschlossener Vegetationsdecke. Der Einstau beträgt in der Regel 20 bis 30 cm; darunter liegt eine belebte Oberbodenzone von ebenfalls etwa 20 bis 30 cm, die das Wasser vor dem Eintritt in den Untergrund filtert. Der Bewuchs aus Rasen oder standortgerechten Stauden hält die Bodenstruktur offen und wirkt der Kolmation entgegen. Der Zulauf erfolgt flächig über die Geländeneigung oder gefasst über Rinnen und Rohre mit Prallschutz.
Da das Wasser nur kurzzeitig eingestaut wird, sind Mulden auch begeh- und mähbar und lassen sich in Grünflächen, Verkehrsinseln oder Wohnumfeld integrieren. Ein Notüberlauf leitet Abflüsse ab, die über dem Bemessungsereignis liegen, und ist auf einen schadlosen Fließweg zu führen.
Bemessung nach DWA-A 138
Bemessen wird die Mulde über den Vergleich von Zufluss und Versickerungsleistung. Eingangsgrößen sind die angeschlossene undurchlässige Fläche mit ihrem Abflussbeiwert, der Bemessungsniederschlag aus den statistischen Daten KOSTRA-DWD 2020 und der Durchlässigkeitsbeiwert des Untergrunds aus Feld- oder Laborversuchen. Üblich ist ein fünfjährliches Bemessungsereignis; die anzusetzende Häufigkeit wird mit der zuständigen Behörde abgestimmt. Bei der Versickerungsleistung wird nur die halbe Einstaufläche angesetzt, weil die Sohle nicht dauerhaft vollständig benetzt ist.
Aus dem Vergleich beider Größen ergeben sich das erforderliche Speichervolumen, die Muldenfläche und die Entleerungszeit. Der Durchlässigkeitsbeiwert ist dabei die empfindlichste Eingangsgröße und sollte am Standort ermittelt werden, nicht aus Bodenkarten abgeleitet. Zu prüfen sind außerdem Schutzabstände zu Gebäuden und Leitungstrassen, die Hangneigung sowie wasserrechtliche Vorgaben, da die Versickerung von Niederschlagswasser eine Gewässerbenutzung darstellt und je nach Bundesland erlaubnispflichtig oder erlaubnisfrei ist.
| Parameter | Anhaltswert | Grundlage |
|---|---|---|
| Einstautiefe der Mulde | 20 bis 30 cm | Regelaufbau nach DWA-A 138 |
| Belebte Oberbodenzone | 20 bis 30 cm über dem anstehenden Boden | Reinigungswirkung und Bewuchs |
| Flächenbedarf | etwa 10 bis 20 % der angeschlossenen Fläche | abhängig von Durchlässigkeit und Abflussbeiwert |
| Durchlässigkeitsbeiwert des Untergrunds | 1 × 10⁻³ bis 1 × 10⁻⁶ m/s | Eignungsbereich für Versickerungsanlagen |
| Abstand zum höchsten Grundwasserstand | mindestens 1,00 m unter der Versickerungssohle | Grundwasserschutz nach DWA-A 138 |
Reinigungswirkung der belebten Bodenzone
Die Oberbodenzone wirkt als Filter- und Reaktionsraum. Feststoffe und daran gebundene Schwermetalle werden mechanisch zurückgehalten, gelöste Stoffe an Ton- und Humuspartikel sorbiert, organische Verbindungen mikrobiell abgebaut. Deshalb dürfen über Mulden auch Abflüsse mit mäßiger Vorbelastung versickert werden, etwa von Wohnstraßen und Parkplätzen, während stark belastete Flächen eine gesonderte Vorbehandlung benötigen. Grundlage der Bewertung von Belastung und erforderlicher Behandlung ist das Arbeitsblatt DWA-A 102. Wichtig ist, dass die Filterschicht nicht verdichtet wird: Befahren im nassen Zustand, Ablagerung von Bodenaushub oder Streusalzeintrag setzen die Leistungsfähigkeit dauerhaft herab.
Kombination zum Mulden-Rigolen-System
Reicht der Untergrund für eine reine Muldenversickerung nicht aus oder fehlt die Fläche, wird die Mulde mit einem unterirdischen Speicher kombiniert. Unter der belebten Bodenzone liegt dann eine Rigole aus Kies oder aus Rigolenkörpern, die das Wasser aufnimmt und zeitversetzt abgibt:
- Mulden-Rigolen-Element ohne Ableitung: Speicherung und vollständige Versickerung vor Ort
- Mulden-Rigolen-System mit gedrosselter Ableitung: Restabfluss über eine Drossel in Kanal oder Gewässer
- Vernetzte Mulden-Rigolen-Elemente in Reihe: Ausgleich unterschiedlicher Durchlässigkeiten im Baugebiet
- Kombination mit Baumstandorten und Retentionsflächen im Sinne der Schwammstadt
Die Bodenpassage bleibt in allen Varianten erhalten, sodass die Reinigungswirkung auch dann gegeben ist, wenn das Wasser überwiegend im Kiesspeicher zwischengehalten wird.
Verwandte ViaCon-Lösungen
Welche technischen Bausteine sich mit einer Mulde kombinieren lassen, zeigt die Übersicht der StormWater Solutions von ViaCon. Speicher- und Rigolenkörper für den unterirdischen Teil sind unter Versickerungssysteme beschrieben, die planerische Einordnung dezentraler Verfahren unter Regenwasserversickerung. Ergänzend erläutern die Glossareinträge zur Rigole, zur Schwammstadt, zum Abflussbeiwert und zur Dränage die zugehörigen Grundlagen.
Häufige Fragen zur Muldenversickerung
Wie groß muss eine Versickerungsmulde sein?
Als Anhaltswert werden etwa 10 bis 20 % der angeschlossenen undurchlässigen Fläche benötigt. Der genaue Wert folgt aus der Bemessung nach DWA-A 138 und hängt vom Durchlässigkeitsbeiwert, dem Abflussbeiwert der Fläche und dem gewählten Bemessungsereignis ab. Je durchlässiger der Untergrund, desto kleiner die erforderliche Mulde bei gleicher Einstautiefe.
Welche Bodendurchlässigkeit ist erforderlich?
Geeignet sind Untergründe mit Durchlässigkeitsbeiwerten zwischen 1 × 10⁻³ und 1 × 10⁻⁶ m/s. Bei durchlässigeren Böden ist die Reinigungswirkung der Bodenpassage zu gering, bei dichteren Böden staut das Wasser zu lange ein. Zusätzlich muss der Abstand zum höchsten Grundwasserstand mindestens 1,00 m unter der Versickerungssohle betragen.
Welche Pflege benötigt eine Versickerungsmulde?
Erforderlich sind regelmäßiges Mähen mit Abfahren des Mähguts, Entfernen von Laub und Sedimenten im Zulaufbereich sowie Kontrolle von Bewuchs und Notüberlauf. Befahren im nassen Zustand ist zu vermeiden, weil Verdichtung die Versickerungsleistung dauerhaft mindert. Lässt die Leistung durch Kolmation nach, wird die oberste Bodenschicht abgetragen und erneuert.
Wann ist ein Mulden-Rigolen-System sinnvoll?
Sobald der Untergrund zu gering durchlässig ist oder die Fläche für eine reine Mulde fehlt. Die unterliegende Rigole schafft zusätzliches Speichervolumen und überbrückt die Zeit bis zur Versickerung; bei sehr dichtem Untergrund wird der Restabfluss gedrosselt in Kanal oder Gewässer abgegeben. Die reinigende Bodenpassage bleibt dabei erhalten.
