Eine Rigole ist ein unterirdischer, hohlraumreicher Speicherkörper, der Niederschlagswasser aufnimmt, zwischenspeichert und verzögert an den umgebenden Boden abgibt. Sie ist damit ein zentrales Element der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung und entlastet Kanalnetz und Vorfluter. Bemessungsgrundlage in Deutschland ist DWA-A 138 für Planung, Bau und Betrieb von Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser; für die Behandlungsbedürftigkeit des Zuflusses gilt ergänzend DWA-A 102. Maßgebend sind die Durchlässigkeit des Untergrunds, das erforderliche Speichervolumen und der Abstand zum höchsten Grundwasserstand.
Funktion und Aufbau
Die Rigole arbeitet nach dem Prinzip Speichern und Abgeben. Bei Regen fällt der Zufluss aus befestigten Flächen wesentlich schneller an, als der Boden ihn aufnehmen kann; das Bauwerk puffert diese Differenz im Hohlraumvolumen und gibt sie anschließend über Sohle und Wandungen an den Untergrund ab. Der Aufbau besteht aus dem Speicherkörper, einer allseitigen Umhüllung mit Filtervlies gegen Feinkorneintrag, dem Zulauf mit Vorreinigung sowie Kontroll- und Spülschächten. Häufig wird ein Notüberlauf ergänzt, damit Ereignisse jenseits des Bemessungsregens schadlos abgeleitet werden. Anders als eine offene Mulde beansprucht die Rigole keine nutzbare Oberfläche und eignet sich damit für verdichtete Innenstadtlagen, Betriebshöfe und Parkplätze. Sie ist im Gegenzug nicht einsehbar, sodass Zugänglichkeit und Spülbarkeit bereits in der Planung festzulegen sind. Der Erhalt der Sickerfähigkeit der Sohle ist die entscheidende Betriebsanforderung. Abzugrenzen ist die Rigole vom reinen Rückhalteraum: Sie speichert nicht nur, sondern gibt das Wasser über die Bodenpassage an den Untergrund ab und wirkt dabei zugleich reinigend.
Bauarten der Rigole
Die Bauart bestimmt vor allem das nutzbare Speichervolumen je Kubikmeter Aushub und die Möglichkeiten der Inspektion.
| Bauart | Speicherwirkung | Merkmale |
|---|---|---|
| Kiesrigole | Hohlraumanteil des Schüttmaterials, bei gewaschenem Grobkies etwa 30 % | Einfacher Aufbau, hoher Aushub- und Materialbedarf, ohne Rohr nicht inspizierbar |
| Rohr-Rigole | Rohrvolumen zuzüglich Hohlraum der Kiespackung | Sickerrohr in der Kiespackung, gute Verteilung im Speicherkörper, spülbar |
| Kunststoff-Rigole | Hohlraumanteil der Rigolenkörper über 90 % | Geringer Platzbedarf, definierte Ringsteifigkeit, Inspektionskanäle möglich |
| Mulden-Rigolen-System | Speicher in Mulde und Rigole, gedrosselte Weitergabe | Vorreinigung über die belebte Bodenzone, geeignet bei geringer Durchlässigkeit |
Bemessung nach DWA-A 138
Grundlage der Bemessung ist eine Bilanz aus Zufluss und Versickerungsleistung. Der Zufluss ergibt sich aus der angeschlossenen befestigten Fläche und dem Bemessungsregen, der ortsbezogen aus den Starkregenhöhen nach KOSTRA-DWD 2020 abgeleitet wird; für die Versickerungsleistung ist der Durchlässigkeitsbeiwert kf des anstehenden Bodens maßgebend, ermittelt aus Feld- oder Laborversuchen. Aus der Differenz beider Größen folgt das erforderliche Speichervolumen, wobei alle relevanten Regendauern zu untersuchen sind, da nicht zwangsläufig das kürzeste Ereignis maßgebend wird. Als sinnvoller Anwendungsbereich gilt eine Durchlässigkeit von etwa 1 × 10⁻⁶ m/s bis 1 × 10⁻³ m/s: Darunter ist der Untergrund zu dicht, darüber ist die Reinigungswirkung der Bodenpassage zu gering. Zwischen Sohle und höchstem Grundwasserstand ist ein Abstand von mindestens 1 m einzuhalten, damit die ungesättigte Bodenzone wirksam bleibt. Zusätzlich ist die Entleerungszeit zu prüfen, weil der Speicher vor dem nächsten Ereignis wieder verfügbar sein muss.
Vorreinigung, Randbedingungen und Wartung
Ob das Wasser unbehandelt zugeführt werden darf, entscheidet DWA-A 102 anhand von Herkunftsfläche und Belastung. Wasser von Dachflächen ohne unbeschichtete Metalldeckung gilt in der Regel als gering belastet, während Verkehrsflächen wegen abfiltrierbarer Stoffe, Reifenabrieb und Schwermetallen eine Behandlungsstufe benötigen. Die Vorreinigung übernehmen Sedimentationsanlagen, Filterschächte, Substratfilter oder die belebte Bodenzone eines Mulden-Rigolen-Systems. Sie ist keine Zusatzausstattung, sondern die Voraussetzung für die Lebensdauer, denn eine kolmatierte Sohle lässt sich praktisch nicht wiederherstellen. Weitere Randbedingungen sind Abstände zu Gebäuden, Gründungen und Grundstücksgrenzen, Altlastenverdacht und Schutzgebiete sowie die wasserrechtliche Erlaubnis, die bei der zuständigen Behörde einzuholen ist. Im Betrieb sind Schlammfänge und Filter zu leeren, Kontrollschächte zu inspizieren, Sickerrohre zu spülen und die Entleerung nach Regenereignissen zu beobachten; auffällig verlängerte Entleerungszeiten sind ein Frühindikator für Kolmation.
Verwandte ViaCon-Lösungen
Anlagen zur Bewirtschaftung von Regenwasser bündelt ViaCon unter StormWater Solutions; großvolumige unterirdische Speicher- und Versickerungskörper sind als Sickertunnel beschrieben, die Übersicht möglicher Bauformen findet sich unter Versickerungssysteme. Ergänzend erläutern die Glossarbeiträge die Muldenversickerung als offene Bauweise, die Dränage zur Ableitung von Sickerwasser, den Begriff Niederschlagswasser sowie das Drainagerohr als Verteil- und Spülelement im Speicherkörper.
Häufige Fragen zu Rigolen
Wie groß muss eine Rigole dimensioniert werden?
Das Volumen folgt aus der Bilanz nach DWA-A 138: angeschlossene befestigte Fläche und Bemessungsregen auf der Zuflussseite, Durchlässigkeitsbeiwert kf und Sickerfläche auf der Abflussseite. Zu untersuchen sind mehrere Regendauern, da die maßgebende Dauer vom Verhältnis dieser Größen abhängt. Pauschale Faustwerte je Quadratmeter Dachfläche führen je nach Boden zu deutlich zu kleinen oder unwirtschaftlich großen Anlagen.
Welcher Boden eignet sich für eine Versickerung?
Geeignet sind Böden mit einem Durchlässigkeitsbeiwert von etwa 1 × 10⁻⁶ m/s bis 1 × 10⁻³ m/s. Dichtere Böden nehmen zu wenig Wasser auf, sehr durchlässige Kiese lassen das Wasser zu schnell passieren, sodass die Reinigungswirkung der Bodenpassage fehlt. Der kf-Wert ist durch Versuch zu bestimmen; Schätzungen aus der Bodenansprache reichen für die Bemessung nicht aus.
Welcher Abstand zum Grundwasser ist einzuhalten?
Zwischen der Sohle der Anlage und dem höchsten zu erwartenden Grundwasserstand ist nach DWA-A 138 ein Abstand von mindestens 1 m einzuhalten. Diese ungesättigte Bodenzone übernimmt die mechanische und biologische Reinigung, bevor das Wasser das Grundwasser erreicht. Der maßgebende Grundwasserstand ist aus Messreihen oder Baugrundgutachten abzuleiten, nicht aus einer einzelnen Stichtagsmessung.
Welche Wartung benötigt eine Rigole?
Zu warten sind vor allem die vorgeschalteten Einrichtungen: Schlammfänge und Filter werden geleert und gereinigt, Kontrollschächte inspiziert, Sickerrohre bei Bedarf gespült. Der Speicherkörper selbst ist nur begrenzt zugänglich, weshalb die Vorreinigung über die Lebensdauer entscheidet. Verlängert sich die Entleerungszeit nach vergleichbaren Regenereignissen merklich, deutet das auf eine beginnende Kolmation der Sohle hin.
