Entwässerung — StormWater Solutions

Entwässerung bezeichnet das geordnete Sammeln, Ableiten, Behandeln und Einleiten von Niederschlags- und Schmutzwasser aus bebauten Flächen, Verkehrswegen und Grundstücken. Ziel ist es, Überflutungen und Vernässungen zu vermeiden, die Verkehrssicherheit zu erhalten und Gewässer sowie Grundwasser vor Stoffeinträgen zu schützen. Die maßgebenden Regelwerke sind DIN EN 752 für Entwässerungssysteme außerhalb von Gebäuden, DIN 1986-100 für die Grundstücksentwässerung und das Arbeitsblatt DWA-A 118 für die hydraulische Bemessung von Entwässerungssystemen. Unterschieden werden Misch- und Trennsystem sowie zentrale Ableitung und ortsnahe Bewirtschaftung.

Mischsystem und Trennsystem im Vergleich

Im Mischsystem werden Schmutz- und Niederschlagswasser gemeinsam in einem Kanal zur Kläranlage geführt. Bei Regen übersteigt der Zufluss die Weiterleitungskapazität, weshalb Regenüberlaufbecken und Regenüberläufe erforderlich sind, die verdünntes Mischwasser zwischenspeichern oder in das Gewässer entlasten. Im Trennsystem werden beide Abwasserarten in getrennten Kanälen geführt: Das Schmutzwasser gelangt zur Kläranlage, das Niederschlagswasser nach Behandlung in ein Gewässer oder zur Versickerung. Neubaugebiete werden überwiegend im Trennsystem erschlossen, während in Bestandslagen häufig Mischsysteme vorliegen, die schrittweise durch dezentrale Maßnahmen entlastet werden.

Kriterium Mischsystem Trennsystem
Kanalführung ein Kanal für Schmutz- und Niederschlagswasser getrennte Kanäle für Schmutz- und Regenwasser
Sonderbauwerke Regenüberläufe und Regenüberlaufbecken Regenklärbecken und Rückhalteräume im Regenwassernetz
Belastung der Kläranlage stark schwankender Zufluss bei Regenwetter gleichmäßiger Zufluss, geringere Verdünnung
Gewässerbelastung stoßweise Entlastung von Mischwasser Einleitung behandelten Niederschlagswassers
Typisches Einsatzfeld gewachsene Bestandsgebiete Neuerschließungen und Gewerbegebiete

Ableitungswege und ortsnahe Bewirtschaftung

Für Niederschlagswasser stehen drei Wege zur Verfügung, die sich kombinieren lassen. Die Ableitung im Kanal ist der klassische Weg, verlagert Abflussspitzen jedoch flussabwärts und bindet Netzkapazität. Die Versickerung führt das Wasser dort dem Untergrund zu, wo es anfällt, entlastet Kanal und Gewässer und stützt die Grundwasserneubildung; sie setzt geeignete Durchlässigkeit und ausreichenden Grundwasserflurabstand voraus. Die ortsnahe Bewirtschaftung ergänzt beides um Rückhaltung, Verdunstung und Nutzung, etwa in Mulden, Rigolen, begrünten Dächern, Baumrigolen und Zisternen.

Fachlich ist diese Priorisierung der Grundgedanke der wassersensiblen Stadtentwicklung: Erst vermeiden und rückhalten, dann versickern oder verdunsten, erst zuletzt gedrosselt einleiten. Die Anforderungen an die Behandlung vor Einleitung oder Versickerung richten sich nach der Vorbelastung der Fläche, für die das Arbeitsblatt DWA-A 102 Bewertungsgrundlagen bereitstellt.

Regelwerke, Bemessungsregen und Nachweise

Die Bemessung erfolgt mit statistischen Niederschlagswerten. In Deutschland werden dafür üblicherweise die Rasterdaten KOSTRA-DWD 2020 herangezogen, aus denen Regenspenden für Dauerstufe und Wiederkehrzeit des jeweiligen Standorts entnommen werden. Für Kanalnetze gibt DWA-A 118 in Verbindung mit DIN EN 752 die Berechnungsverfahren sowie die zulässigen Überstau- und Überflutungshäufigkeiten in Abhängigkeit von der Flächennutzung vor. Der Überstaunachweis prüft, ob der Wasserstand im Kanal die Geländeoberkante erreicht; der ergänzende Überflutungsnachweis betrachtet, wohin das Wasser bei selteneren Ereignissen fließt und welche Schäden entstehen.

In der Grundstücksentwässerung gilt DIN 1986-100. Dachflächen werden dort mit dem Berechnungsregen r(5,5) bemessen, also einem fünfminütigen Regen der fünfjährlichen Wiederkehrzeit; für Regenwasserleitungen auf dem Grundstück ist mindestens der Berechnungsregen r(5,2) anzusetzen. Die Notentwässerung von Dachflächen wird zusätzlich für den Jahrhundertregen r(5,100) ausgelegt, abzüglich des über die Dachentwässerung bereits abgeführten Anteils. Notüberläufe müssen frei und schadlos auf das Grundstück entwässern, damit bei Starkregen kein Rückstau in das Gebäude erfolgt.

Straßen- und Grundstücksentwässerung

Die Straßenentwässerung führt Oberflächenwasser über Quer- und Längsneigung zu Straßenabläufen, Rinnen oder Mulden und von dort in Kanal, Versickerungsanlage oder Vorfluter; planerische Grundlage sind die Richtlinien für die Anlage von Straßen, Teil Entwässerung, RAS-Ew. Bei Flächen mit Mineralölbelastung ist eine Abscheideanlage nach DIN EN 858-1 vorzusehen. Auf Grundstücken regelt DIN 1986-100 Leitungsführung, Rückstauebene und Rückstausicherung; Anschlusskanäle und Übergabeschächte werden zusätzlich durch die kommunale Entwässerungssatzung bestimmt.

Bei beiden Anwendungsfeldern ist die Entwässerung frühzeitig mit der Höhenplanung abzustimmen. Gefälle, Rückstauebene, Lage der Abläufe und der Fließweg bei Starkregen lassen sich nachträglich nur mit erheblichem Aufwand korrigieren. In Verkehrsflächen kommen Anforderungen aus Frostsicherheit des Oberbaus und aus der Führung des Straßenkörperwassers hinzu, das über Dränschichten oder Sickerleitungen aus dem Oberbau abgeführt wird.

Verwandte ViaCon-Lösungen

Systeme für Ableitung, Rückhaltung und Behandlung von Regenwasser fasst die Übersicht der StormWater Solutions von ViaCon zusammen. Für den Transport größerer Wassermengen im Netz sind die Lösungen zum Regenwassertransport einschlägig, für Rückhaltung, Nutzung und Versickerung die Seite zur nachhaltigen Wasserwirtschaft. Vertiefende Grundlagen bieten die Glossareinträge zur Kanalisation, zur Straßenentwässerung, zum Niederschlagswasser und zur Dränage.

Häufige Fragen zur Entwässerung

Was unterscheidet Mischsystem und Trennsystem?

Im Mischsystem fließen Schmutz- und Niederschlagswasser in einem gemeinsamen Kanal zur Kläranlage, wobei Regenüberläufe die Spitzen abfangen. Im Trennsystem verlaufen zwei getrennte Kanäle, sodass nur das Schmutzwasser behandelt wird und das Regenwasser nach Reinigung versickert oder eingeleitet wird. Neuerschließungen werden fast durchgängig im Trennsystem geplant.

Welcher Bemessungsregen gilt für die Grundstücksentwässerung?

Nach DIN 1986-100 werden Dachflächen mit dem Berechnungsregen r(5,5) bemessen, also einem fünfminütigen Regen der fünfjährlichen Wiederkehrzeit. Für Regenwasserleitungen auf dem Grundstück gilt als Mindestwert r(5,2). Für die Notentwässerung von Dachflächen ist zusätzlich der Jahrhundertregen r(5,100) anzusetzen. Die standortbezogenen Regenspenden werden den statistischen Niederschlagsdaten KOSTRA-DWD 2020 entnommen; örtliche Satzungen können abweichende Mindestanforderungen enthalten.

Was ist ein Überstaunachweis?

Der Überstaunachweis weist rechnerisch nach, dass der Wasserstand im Kanal bei einem definierten Bemessungsereignis die Geländeoberkante nicht erreicht. Grundlage sind DWA-A 118 und DIN EN 752, die zulässige Häufigkeiten je nach Flächennutzung angeben. Ergänzend zeigt der Überflutungsnachweis, welche Fließwege und Schäden bei selteneren Starkregenereignissen zu erwarten sind.

Wer ist für die Grundstücksentwässerung verantwortlich?

Für Anlagen auf dem Grundstück bis zur Übergabestelle an das öffentliche Netz ist der Grundstückseigentümer verantwortlich, einschließlich Rückstausicherung und Notentwässerung. Ab dem Anschlusskanal beziehungsweise dem in der Entwässerungssatzung festgelegten Übergabepunkt liegt die Zuständigkeit beim Entwässerungsbetrieb. Umfang, Anschlusspflicht und Einleitbedingungen regelt die kommunale Satzung.