DWA-A 138 — StormWater Solutions

Das DWA-A 138 ist das Arbeitsblatt der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall mit dem Titel „Planung, Bau und Betrieb von Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser“ und bildet in Deutschland die technische Grundlage für die Versickerung von Regenabflüssen. Es beschreibt die Anlagetypen von der Flächen- bis zur Schachtversickerung, legt Randbedingungen wie Durchlässigkeit und Grundwasserabstand fest und enthält die Bemessungsverfahren für Speichervolumen und Sickerfläche. Die stoffliche Bewertung des Zuflusses erfolgt ergänzend nach DWA-A 102. Inzwischen liegt eine überarbeitete Fassung als DWA-A 138-1 (2024) vor; für jede Planung ist zu prüfen, welche Ausgabe aktuell gilt und von der zuständigen Wasserbehörde angewendet wird.

Geltungsbereich und Neufassung des DWA-A 138

Das Arbeitsblatt gilt für Anlagen, in denen Niederschlagswasser von bebauten oder befestigten Flächen gezielt in den Untergrund eingeleitet wird – vom Einfamilienhausgrundstück bis zu Gewerbe- und Verkehrsflächen. Es behandelt die hydraulische Bemessung, die bautechnische Ausführung und den Betrieb, nicht aber die wasserrechtliche Zulässigkeit; über diese entscheidet die zuständige Behörde auf Grundlage des Wasserhaushaltsgesetzes und der Landesregelungen. Für die Frage, ob und wie der Abfluss vor der Versickerung zu behandeln ist, wird heute DWA-A 102 herangezogen, das Herkunftsflächen nach ihrer stofflichen Belastung einordnet. Das ältere Merkblatt DWA-M 153 mit seinem Bewertungsverfahren aus Flächen- und Luftverschmutzung ist in der Genehmigungspraxis und in Bestandsplanungen weiterhin anzutreffen und wird teilweise noch in Prüfanforderungen für Behandlungsanlagen zitiert. Die überarbeitete Fassung DWA-A 138-1 führt das Regelwerk fort; Inhalte und Bemessungsansätze können sich gegenüber der Vorgängerausgabe im Detail unterscheiden. Da Übergangsregelungen und Einführung in den Ländern unterschiedlich gehandhabt werden, sollte die maßgebende Ausgabe vor Planungsbeginn mit der Genehmigungsbehörde abgestimmt werden.

Anlagetypen nach DWA-A 138

Das Arbeitsblatt unterscheidet die Anlagen nach Speichervermögen, Flächenbedarf und Reinigungsleistung. Grundsatz ist der Vorrang der Versickerung über die belebte Bodenzone, weil der bewachsene Oberboden Stoffe filtert, sorbiert und biologisch abbaut. Unterirdische Anlagen ohne diese Passage setzen einen gering belasteten Zufluss oder eine vorgeschaltete Behandlung voraus.

Anlagetyp Prinzip Flächenbedarf Reinigungswirkung
Flächenversickerung Versickerung über bewachsene Oberfläche ohne nennenswerten Speicher sehr hoch hoch, belebte Bodenzone
Muldenversickerung kurzzeitiger Einstau in flacher, begrünter Mulde hoch hoch, belebte Bodenzone
Mulden-Rigolen-Element Mulde mit darunterliegendem Speicher, häufig gedrosselt mittel hoch, Vorreinigung in der Mulde
Rigolen- und Rohrversickerung unterirdischer Speicherkörper aus Kies, Rohren oder Hohlkörpern gering gering, Vorbehandlung erforderlich
Schachtversickerung punktuelle Einleitung über einen Sickerschacht sehr gering gering, nur bei unbedenklichem Zufluss

Die Wahl ergibt sich aus Flächenverfügbarkeit, Durchlässigkeit und Belastung: Bei ausreichender Fläche und gutem Boden genügt oft die Mulde, in verdichteten Lagen oder bei großen angeschlossenen Flächen werden unterirdische Speicherkörper wie Rigolen oder großvolumige Sickertunnel eingesetzt.

Randbedingungen: Durchlässigkeit und Grundwasserabstand

Ob eine Versickerung technisch möglich ist, entscheidet sich an wenigen Standortgrößen, die durch eine Baugrunderkundung zu belegen sind:

  • Durchlässigkeitsbeiwert kf: geeigneter Bereich etwa 1 × 10⁻³ bis 1 × 10⁻⁶ m/s; dichtere Böden versickern zu langsam, sehr durchlässige Kiese reinigen unzureichend
  • Grundwasserabstand: mindestens 1 m zwischen Anlagensohle und mittlerem höchsten Grundwasserstand, damit eine ungesättigte Sickerstrecke verbleibt
  • Abstand zu Gebäuden: Vernässung von Kellern und Gründungen ist auszuschließen, insbesondere bei nicht wasserdicht ausgeführten Untergeschossen
  • Altlasten und Auffüllungen: keine Versickerung durch belastete Bodenschichten, um eine Mobilisierung von Schadstoffen zu vermeiden
  • Schutzgebiete: in Wasserschutzgebieten gelten zusätzliche Einschränkungen nach der jeweiligen Schutzgebietsverordnung

Der kf-Wert sollte aus Feldversuchen am Standort ermittelt werden; Laborwerte und Abschätzungen aus der Kornverteilung sind mit Korrekturfaktoren zu versehen, die ihre größere Unsicherheit berücksichtigen.

Bemessung von Versickerungsanlagen nach DWA-A 138

Die Bemessung beruht auf einer Volumenbilanz zwischen Zufluss und Versickerungsrate. Der Zufluss ergibt sich aus der abflusswirksamen Fläche, also der angeschlossenen Fläche multipliziert mit dem Abflussbeiwert, und der Regenspende des Bemessungsregens aus KOSTRA-DWD 2020. Die Versickerungsrate folgt aus der wirksamen Sickerfläche und dem kf-Wert, bei Rigolen unter Berücksichtigung des Hohlraumanteils des Speicherkörpers. Für jede Regendauer wird das erforderliche Speichervolumen berechnet; maßgebend ist das Maximum über alle untersuchten Dauerstufen. Die Bemessungshäufigkeit wird nach Anlagentyp und Schutzbedürfnis festgelegt, für dezentrale Anlagen häufig ein Ereignis mit fünfjähriger Wiederkehrzeit. Ein Zuschlagsfaktor berücksichtigt Unsicherheiten der Eingangsgrößen. Zusätzlich ist nachzuweisen, dass sich die Anlage in angemessener Zeit entleert, damit für Folgeereignisse wieder Speicher zur Verfügung steht. Für Regen oberhalb des Bemessungsereignisses sind ein Notüberlauf und ein schadloser Überflutungsweg vorzusehen; auf größeren Grundstücken ist zusätzlich der Überflutungsnachweis nach DIN 1986-100 zu führen.

Verwandte ViaCon-Lösungen

Unterirdische Speicher- und Versickerungskörper für größere angeschlossene Flächen beschreibt ViaCon auf der Seite Sickertunnel; eine Übersicht der Bauformen bieten Versickerungssysteme sowie die Seite zur Regenwasserversickerung. Fachlich ergänzen die Glossareinträge zur Rigole als unterirdischem Speicherkörper, zur Muldenversickerung als oberirdischer Bauweise, zum Begriff Niederschlagswasser und zum Abflussbeiwert als Bemessungsgröße das Thema.

Häufige Fragen zum DWA-A 138

Was regelt das DWA-A 138?

Das DWA-A 138 regelt Planung, Bau und Betrieb von Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser. Es beschreibt die Anlagetypen, die hydrogeologischen Randbedingungen wie Durchlässigkeit und Grundwasserabstand sowie die Bemessung von Speichervolumen und Sickerfläche. Die stoffliche Bewertung des Zuflusses und die Frage einer Vorbehandlung werden ergänzend nach DWA-A 102 beurteilt. Die wasserrechtliche Erlaubnis erteilt die zuständige Behörde. Maßgebend ist die jeweils aktuell eingeführte Ausgabe, inzwischen DWA-A 138-1.

Welcher kf-Wert ist nach DWA-A 138 für eine Versickerung geeignet?

Als geeigneter Bereich gilt ein Durchlässigkeitsbeiwert von etwa 1 × 10⁻³ bis 1 × 10⁻⁶ m/s. Unterhalb dieses Bereichs reicht die Versickerungsleistung meist nicht aus, sodass gedrosselte Systeme oder eine Ableitung nötig werden. Oberhalb passiert das Wasser den Boden so schnell, dass die Reinigungswirkung gering ist. Der Wert ist am Standort durch Versuche zu bestimmen und mit Korrekturfaktoren in die Bemessung zu übernehmen.

Was ist der Unterschied zwischen DWA-A 138 und DWA-A 102?

DWA-A 138 behandelt die hydraulische und bautechnische Seite der Versickerung, also Anlagetyp, Standorteignung und Bemessung. DWA-A 102 bewertet die stoffliche Belastung des Niederschlagsabflusses nach Herkunftsfläche und legt fest, ob eine Behandlung erforderlich ist. In der Planung werden beide zusammen angewendet: Zuerst wird die Behandlungsbedürftigkeit geklärt, dann die Versickerungsanlage einschließlich einer gegebenenfalls nötigen Vorreinigung bemessen.

Welcher Grundwasserabstand gilt nach DWA-A 138?

Zwischen der Sohle der Versickerungsanlage und dem mittleren höchsten Grundwasserstand ist ein Abstand von mindestens 1 m einzuhalten. Die so verbleibende ungesättigte Bodenzone filtert und baut Stoffe ab, bevor das Wasser das Grundwasser erreicht. Der maßgebende Grundwasserstand ist aus Messreihen, amtlichen Daten oder dem Baugrundgutachten abzuleiten. Bei geringeren Flurabständen sind flachere Anlagen oder andere Entwässerungslösungen zu prüfen.