Starkregen bezeichnet Niederschlag, der in kurzer Zeit mit großer Intensität fällt und dabei die Aufnahmefähigkeit von Boden, Mulden und Kanalnetz übersteigt. Kennzeichnend sind kleine räumliche Ausdehnung, kurze Dauer und ein Auftreten unabhängig von Gewässern, weshalb praktisch jeder Standort betroffen sein kann. Der Deutsche Wetterdienst warnt anhand definierter Niederschlagsmengen je Zeiteinheit. Für die Bemessung von Entwässerungsanlagen werden statistische Niederschlagshöhen nach KOSTRA-DWD 2020 verwendet; den Überflutungsnachweis auf Grundstücken regelt DIN 1986-100, die Berechnung von Rückhalteräumen die DWA-A 117.
Warnstufen des Deutschen Wetterdienstes
Der Deutsche Wetterdienst stuft Starkregen anhand von Niederschlagsmengen in festgelegten Bezugszeiträumen ein. Die Warnungen sind ereignisbezogen und dienen der Gefahrenabwehr, nicht der Bemessung von Bauwerken. Für die Einordnung von Schadensereignissen und für die kommunale Vorsorge sind sie dennoch die gebräuchliche Referenz, weil Meldungen und Presseberichte darauf zurückgreifen.
| Warnstufe | Bezeichnung | Richtwert in 1 Stunde | Richtwert in 6 Stunden |
|---|---|---|---|
| Stufe 2, markantes Wetter | Warnung vor Starkregen | 15 bis 25 mm | 20 bis 35 mm |
| Stufe 3, Unwetter | Unwetterwarnung vor heftigem Starkregen | über 25 bis 40 mm | über 35 bis 60 mm |
| Stufe 4, extremes Unwetter | Warnung vor extremem Starkregen | über 40 mm | über 60 mm |
Abgrenzung zu Sturzflut und Hochwasser
Starkregen ist die Ursache, nicht die Überflutung selbst. Fließt das Wasser oberflächlich in Senken, Unterführungen oder Kellerabgänge, spricht man von einer Sturzflut beziehungsweise, im bebauten Bereich, von einer urbanen Sturzflut. Diese pluvialen Ereignisse entstehen innerhalb von Minuten, treffen auch Lagen weit entfernt von Gewässern und sind räumlich schwer vorhersagbar.
Hochwasser im Sinne des Wasserhaushaltsgesetzes ist demgegenüber ein fluviales Ereignis: Ein Gewässer verlässt sein Bett, die Überflutung ist an Gewässerläufe gebunden und über Überschwemmungsgebiete sowie Hochwassergefahren- und Risikokarten kartiert. Die Unterscheidung hat praktische Folgen: Für Hochwasser bestehen festgelegte Bemessungsereignisse und rechtlich verankerte Gebietsausweisungen, für Starkregen liegen dagegen kommunale Starkregengefahrenkarten und Fließwegeanalysen vor. Wer Objektschutz plant, muss beide Wirkungspfade getrennt untersuchen.
Wiederkehrzeit, Starkregenindex und Bemessungsregen
Für die Planung wird Starkregen statistisch beschrieben. Die Wiederkehrzeit T gibt an, in welchem mittleren Zeitabstand ein Ereignis gleicher Höhe und Dauer erreicht oder überschritten wird; sie ist ein statistischer Erwartungswert und keine Garantie für Abstände zwischen Ereignissen. Ein zwanzigjährliches Ereignis kann also mehrfach in kurzer Folge auftreten. Ergänzend wird der Starkregenindex verwendet, der Ereignisse anhand ihrer Wiederkehrzeit in Stufen einteilt und damit die Kommunikation zwischen Fachplanung, Verwaltung und Betroffenen erleichtert.
Grundlage der Bemessung sind die statistischen Starkregenhöhen nach KOSTRA-DWD 2020. Der Datensatz liefert für Rasterfelder in Deutschland Niederschlagshöhen und Regenspenden in Abhängigkeit von Dauerstufe und Wiederkehrzeit. Aus dieser Kombination werden Bemessungsregen für Kanalnetze, Rückhalteräume und Versickerungsanlagen abgeleitet. Wesentlich ist die richtige Wahl der Dauerstufe: Kleine, stark befestigte Einzugsgebiete reagieren auf kurze, intensive Regen, große Gebiete mit Rückhaltung auf längere Dauern mit geringerer Intensität. Die maßgebende Dauerstufe ist daher rechnerisch zu bestimmen und nicht zu unterstellen.
Überflutungsnachweis und kommunale Starkregenvorsorge
DIN 1986-100 verlangt für Grundstücksentwässerungsanlagen einen Überflutungsnachweis: Es ist zu zeigen, dass Niederschlagswasser aus einem seltenen Regenereignis schadlos zurückgehalten, versickert oder abgeleitet wird und dass es nicht in Gebäude eindringt. Angesetzt wird ein Ereignis mit einer deutlich größeren Wiederkehrzeit als beim Bemessungsregen der Ableitung; bei Objekten mit hohem Schadenspotenzial sind entsprechend seltenere Ereignisse zu untersuchen. Die zugehörigen Regenhöhen entnimmt man KOSTRA-DWD 2020.
Auf kommunaler Ebene stützt sich die Vorsorge auf Starkregengefahrenkarten, Fließwege- und Senkenanalysen sowie ein Handlungskonzept mit klaren Zuständigkeiten. Bewährte Bausteine sind:
- Ausweisung und Freihaltung von Notwasserwegen entlang von Straßen und Grünzügen
- multifunktionale Flächen, die im Ereignisfall gezielt geflutet werden
- dezentrale Rückhaltung und Versickerung nach dem Prinzip der Schwammstadt
- Objektschutz an Gebäudeöffnungen, Lichtschächten und Tiefeinfahrten
- Rückstausicherung und geordnete Notentwässerung von Dachflächen
Da die Leistungsfähigkeit von Kanalnetzen begrenzt ist, verlagert die Vorsorge den Schwerpunkt von der Ableitung zur gesteuerten Rückhaltung an der Oberfläche.
Verwandte ViaCon-Lösungen
Für die Rückhaltung und Ableitung großer Niederschlagsmengen bietet ViaCon die Lösungen für Regenwassermanagement, insbesondere die ViaCon Storm Solutions für unterirdische Rückhaltung sowie Systeme für den Hochwasserschutz. Die Abgrenzung der Wirkungspfade beschreibt der Beitrag zum Hochwasserschutz, das städtebauliche Leitbild der Beitrag zur Schwammstadt. Für die Abflussberechnung ist der Abflussbeiwert maßgebend, für die Volumenbereitstellung das Rückhaltebecken, und die Ableitungswege sind im Beitrag zur Entwässerung erläutert.
Häufige Fragen zu Starkregen
Ab wie viel Millimetern spricht man von Starkregen?
Der Deutsche Wetterdienst warnt vor Starkregen ab etwa 15 bis 25 mm in einer Stunde beziehungsweise 20 bis 35 mm in sechs Stunden. Höhere Mengen führen zu Unwetterwarnungen und zur Warnung vor extremem Starkregen. Diese Schwellen dienen der Gefahrenabwehr; für die Bemessung von Entwässerungsanlagen sind stattdessen die statistischen Regenhöhen nach KOSTRA-DWD 2020 anzusetzen.
Was bedeutet eine Wiederkehrzeit von 100 Jahren?
Die Wiederkehrzeit ist ein statistischer Mittelwert: Ein hundertjährliches Ereignis wird im langjährigen Mittel einmal in hundert Jahren erreicht oder überschritten, was einer Eintrittswahrscheinlichkeit von einem Prozent pro Jahr entspricht. Zwei solche Ereignisse können daher in aufeinanderfolgenden Jahren auftreten. Zudem gilt der Wert immer für eine bestimmte Regendauer und für ein bestimmtes Rasterfeld.
Reicht der Kanalanschluss für Starkregen aus?
In der Regel nicht. Kanalnetze werden für Regenereignisse mit vergleichsweise kurzen Wiederkehrzeiten dimensioniert, seltene Starkregen überschreiten ihre Leistungsfähigkeit planmäßig. Deshalb sind zusätzlich Rückhaltung, Notwasserwege und Objektschutz erforderlich, ergänzt um eine Rückstausicherung. Der Überflutungsnachweis nach DIN 1986-100 dokumentiert, dass der Überschuss auf dem Grundstück schadlos verbleibt.
Wer haftet für Schäden durch Starkregen?
Grundstückseigentümer sind verpflichtet, ihr Gebäude gegen eindringendes Wasser und gegen Rückstau aus dem Kanal zu sichern; die Kommune haftet nur bei Verletzung eigener Pflichten, etwa bei nachweislich mangelhafter Unterhaltung. Fachlich entscheidend ist die Dokumentation: nachgewiesener Überflutungsnachweis, funktionsfähige Rückstausicherung und regelmäßige Wartung der Entwässerungsanlagen. Rechtsfragen im Einzelfall gehören in die juristische Prüfung.
