Lichte Weite — Bridges & Culverts Solutions

Die lichte Weite bezeichnet den freien horizontalen Abstand zwischen den begrenzenden Innenflächen eines Bauwerks, gemessen senkrecht zur Bauwerksachse. Sie ist die zentrale Kenngröße für Durchlässe, Brücken und Kreuzungsbauwerke, weil von ihr sowohl der hydraulisch wirksame Querschnitt als auch die verwaltungsseitige Einordnung des Bauwerks abhängt: Nach DIN 1076 gelten Bauwerke mit lichten Weiten von 2,00 m und mehr als Brücken, kleinere Querschnitte werden als Durchlass geführt. Von der lichten Weite zu unterscheiden sind die lichte Höhe als vertikales Nutzmaß und die Stützweite als Tragwerksmaß.

Lichte Weite, lichte Höhe und Stützweite in der Abgrenzung

Die drei Maße werden in der Praxis häufig vermischt, beziehen sich aber auf unterschiedliche Flächen. Die lichte Weite ist ein Nutzmaß und beschreibt den Raum, der dem Wasser, dem Verkehr oder wandernden Tieren tatsächlich zur Verfügung steht. Die Stützweite wird dagegen zwischen den Achsen benachbarter Auflager gemessen und ist bei Balken- und Plattenbrücken stets größer als die lichte Weite, weil Lagerbank und Widerlagerwand dazwischenliegen. Bei Verfüllbauwerken aus korrugiertem Stahl fallen beide Maße praktisch zusammen, weil das Profil selbst die Begrenzung bildet. Angaben in Ausschreibungen und Bauwerksbüchern sollten deshalb immer benennen, welches Maß gemeint ist und worauf es sich bezieht.

Begriff Definition Messung und Bezug
Lichte Weite Freier horizontaler Abstand zwischen den Innenflächen der begrenzenden Bauteile Senkrecht zur Bauwerksachse, an der engsten Stelle des Querschnitts
Lichte Höhe Freier vertikaler Abstand zwischen Sohle oder Fahrbahn und Bauwerksunterkante Lotrecht über dem maßgebenden Punkt des Abfluss- oder Verkehrsquerschnitts
Stützweite Abstand zwischen den Achsen zweier benachbarter Auflager In Achsrichtung des Tragwerks, unabhängig von der Nutzung des Querschnitts
Schiefe lichte Weite Lichtes Maß in Richtung des gekreuzten Weges bei schiefer Kreuzung Entlang der Achse des gekreuzten Weges, größer als die lichte Weite
Lichte Länge Länge des durchgehenden Hohlraums zwischen den Bauwerksenden In Bauwerksachse, maßgebend für Unterhaltung, Einsehbarkeit und Belichtung

Bedeutung der lichten Weite für die hydraulische Leistung

Bei Durchlässen und Rohrbrücken bestimmt die lichte Weite zusammen mit der lichten Höhe den Abflussquerschnitt und damit die Leistungsfähigkeit des Bauwerks. Bemessen wird für einen festgelegten Bemessungsabfluss; nachzuweisen sind der Wasserstand im Oberwasser, ein ausreichender Abstand zur Bauwerksunterkante und die Fließgeschwindigkeit im Bauwerk. Ein zu klein gewählter Querschnitt führt zu Einstau und Rückstau, erhöht die Fließgeschwindigkeit und verlagert die Erosion in den Auslaufbereich. Zu große Querschnitte sind hydraulisch unkritisch, begünstigen aber Auflandung, weil die Schleppspannung für den Sedimenttransport nicht mehr ausreicht und sich der wirksame Querschnitt langfristig verringert. Für Straßendurchlässe geben die RAS-Ew die Grundlagen der Entwässerungsbemessung vor, die Niederschlagsbelastung wird üblicherweise aus KOSTRA-DWD 2020 abgeleitet. Zusätzlich ist der Verklausungsfall durch Treibgut zu betrachten, der den Querschnitt kurzfristig erheblich einengen kann.

Mindestmaße für Unterhaltung, Prüfung und Fischpassierbarkeit

Neben der Hydraulik bestimmen Unterhaltung und Gewässerökologie das erforderliche Maß. Bauwerke müssen für die Bauwerksprüfung nach DIN 1076 zugänglich sein; begehbare Querschnitte erlauben eine handnahe Prüfung ohne Sonderausrüstung, bei kleineren Querschnitten sind Kamerabefahrung oder Sondergeräte notwendig, was Aufwand und Aussagekraft der Prüfung beeinflusst. Für die ökologische Durchgängigkeit empfiehlt DWA-M 509, den Querschnitt an der Breite des Gewässers zu orientieren und so zu wählen, dass die natürliche Sohle mit Substrat durchgeführt werden kann und ein trockener Randbereich als Wanderkorridor für Kleintiere erhalten bleibt. Die konkreten Mindestmaße sind gewässertyp- und artabhängig und mit der zuständigen Wasserbehörde abzustimmen. Ein Bauwerk, das rechnerisch nur den Bemessungsabfluss abführt, erfüllt die Anforderungen an Durchgängigkeit und Unterhaltung in der Regel nicht.

Messregeln bei Kreis-, Bogen- und Maulprofilen

Bei Kreisprofilen entspricht die lichte Weite dem Innendurchmesser; bei korrugierten Stahlwellenrohren ist zu beachten, dass Nennmaß und lichtes Innenmaß durch die Profilierung voneinander abweichen können und für Nachweise das Innenmaß gilt. Bei Bogen- und Maulprofilen wird die lichte Weite als größter horizontaler Innenabstand in Höhe des Kämpfers beziehungsweise der Fundamentoberkante gemessen, nicht im Übergang zur Sohle. Bei Rahmenbauwerken ist die Innenkante der Widerlagerwände maßgebend. Kreuzt das Bauwerk den Weg oder das Gewässer schief, ist zwischen der senkrecht zur Bauwerksachse gemessenen lichten Weite und der schiefen lichten Weite in Richtung des gekreuzten Weges zu unterscheiden; beide Werte gehören in die Bestandsdokumentation. Anzugeben ist außerdem, auf welche Sohlhöhe sich das Maß bezieht, da eingebautes Sohlsubstrat und spätere Auflandung die nutzbare Höhe verringern.

Verwandte ViaCon-Lösungen

Bemessung und Bauformen von Kreuzungsbauwerken behandelt der Bereich Bridges & Culverts Solutions. Welche lichten Weiten sich mit flexiblen Profilen abdecken lassen, zeigen die korrugierten Stahlwellenrohre; für kleinere Querschnitte im Gewässer- und Wegebau sind die Lösungen für den Durchlass einschlägig. Zur verwaltungsseitigen Einordnung und zu den Prüfpflichten führt der Beitrag zum Ingenieurbauwerk, zu den Bauformen mit großer lichter Weite die Beiträge zur Rohrbrücke und zur Bogenbrücke. Wie der abzuführende Abfluss ermittelt wird, erläutert der Beitrag zur Entwässerung.

Häufige Fragen zu lichten Weiten

Was ist der Unterschied zwischen lichter Weite und Stützweite?

Die lichte Weite ist ein Nutzmaß und beschreibt den freien Abstand zwischen den Innenflächen des Bauwerks. Die Stützweite ist ein Tragwerksmaß und wird zwischen den Auflagerachsen gemessen. Bei Brücken mit Widerlagern ist die Stützweite größer, weil Lagerbank und Wandstärke dazwischenliegen. Für hydraulische Nachweise und Durchgängigkeit zählt ausschließlich die lichte Weite, für statische Nachweise die Stützweite.

Ab welcher lichten Weite gilt ein Bauwerk als Brücke?

Nach DIN 1076 werden Bauwerke mit lichten Weiten von 2,00 m und mehr als Brücken geführt, darunterliegende Querschnitte als Durchlass. Die Abgrenzung ist keine formale Frage: Mit der Einstufung als Brücke gelten die Prüfpflichten der DIN 1076 mit Hauptprüfung, einfacher Prüfung und Besichtigung, außerdem sind Bauwerksbuch und Bauwerksnummer zu führen.

Wie wird die lichte Weite bei einem Bogenprofil gemessen?

Als größter horizontaler Abstand zwischen den Innenflächen, gemessen in Höhe des Kämpfers beziehungsweise der Oberkante der Fundamente oder Schwellen. Der Übergangsbereich zur Sohle bleibt unberücksichtigt. Bei schiefer Kreuzung ist zusätzlich die schiefe lichte Weite in Richtung des gekreuzten Weges anzugeben. Für die Dokumentation gehört stets die Bezugssohlhöhe dazu.

Welche lichte Weite ist für die ökologische Durchgängigkeit erforderlich?

Ein pauschales Maß gibt es nicht. DWA-M 509 empfiehlt, den Querschnitt an der Breite und dem Typ des Gewässers auszurichten, die natürliche Sohle durchzuführen und einen trockenen Randstreifen vorzusehen. Maßgebend sind die Zielarten und die Vorgaben der zuständigen Wasserbehörde. Hydraulisch ausreichende Querschnitte sind für die Durchgängigkeit regelmäßig zu klein bemessen.