Eine Asphaltbewehrung ist eine zwischen zwei Asphaltschichten eingebaute Lage aus Geokunststoff, die Zugspannungen im Schichtenverbund aufnimmt und das Durchschlagen von Rissen aus der Unterlage in die neue Deckschicht verzögert. Sie wird vor allem bei der Erneuerung rissgeschädigter Asphaltbefestigungen, bei Überbauungen von Betondecken und an Verbreiterungen eingesetzt. Verwendet werden bitumenbeschichtete Glasfasergitter, Polyestergitter und Verbundprodukte aus Vliesstoff und Gitter. Planung und Einbau richten sich im Straßenbau nach dem einschlägigen FGSV-Merkblatt für Asphaltbewehrungen sowie den Anforderungen an Schichtenverbund und Asphaltmischgut nach ZTV Asphalt-StB. Eine Asphaltbewehrung ersetzt keine tragfähige Unterlage, sondern verlängert die Nutzungsdauer einer Instandsetzung.
Ursachen von Reflexionsrissen
Reflexionsrisse entstehen, wenn Risse, Fugen oder Bewegungen in der Unterlage in eine neu aufgebrachte Asphaltschicht übertragen werden. Ohne Bewehrung konzentrieren sich die Spannungen an der Rissspitze, und der Riss wächst innerhalb weniger Jahre bis an die Oberfläche durch. Die wesentlichen Mechanismen sind:
- Thermische Beanspruchung: Temperaturwechsel führen zu Längenänderungen der Unterlage, besonders ausgeprägt an Fugen von Betondecken und an Querrissen
- Verkehrsbeanspruchung: Radlasten erzeugen Biege- und Scherspannungen an der Rissflanke, wenn das Rad über den Riss rollt
- Setzungen und Verbreiterungen: unterschiedliches Tragverhalten von Alt- und Neubau führt zu Längsrissen an der Anschlussfuge
- Alterung und Ermüdung: versprödetes Bindemittel und netzartige Ermüdungsrisse in der alten Schicht
Eine Asphaltbewehrung verteilt die Spannungen über eine größere Breite, bindet die Rissufer und verlangsamt den Rissfortschritt. Voraussetzung ist eine Unterlage, deren Tragfähigkeit grundsätzlich ausreicht; strukturelle Schäden im Unterbau löst keine Bewehrung.
Arten der Asphaltbewehrung
Die Produkte unterscheiden sich in Rohstoff, Steifigkeit und Verbund mit dem Asphalt:
| Typ | Merkmale | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| Glasfasergitter, bitumenbeschichtet | hoher Elastizitätsmodul, geringe Bruchdehnung, kaum Kriechen | Querrisse, Fugen von Betondecken, Deckensanierung |
| Polyestergitter, beschichtet | höhere Dehnung, gute Robustheit beim Einbau | Verbreiterungen, unebene Unterlagen |
| Vlies-Gitter-Komposit | Gitter mit leichtem Vliesstoff, bitumengetränkt als Spannungsabbau- und Dichtschicht | Netzrisse, zusätzlich Abdichtung der Unterlage |
| Bitumengetränkter Vliesstoff | Spannungsabbau und Abdichtung, keine Bewehrungswirkung im engeren Sinn | Abdichtung, Verzögerung feiner Risse |
Für die Bewehrungswirkung ist entscheidend, dass das Gitter bereits bei kleinen Dehnungen nennenswerte Zugkräfte aufnimmt. Glasfasergitter erreichen dies durch ihren hohen Elastizitätsmodul; die Maschenweite ist so zu wählen, dass das Mischgut die Öffnungen durchdringt und Verbund herstellt. Polyestergitter tolerieren dagegen größere Verformungen, ohne zu reißen, und sind beim Überfahren während des Einbaus weniger empfindlich.
Einbau der Asphaltbewehrung
Die Wirksamkeit einer Asphaltbewehrung hängt unmittelbar vom Haftverbund ab. Die Unterlage wird gefräst oder gereinigt, Unebenheiten und breite Risse werden vorab ausgeglichen bzw. vergossen. Auf die trockene, saubere Fläche wird eine Ansprühung aus Bitumenemulsion oder Heißbitumen aufgebracht; Art und Menge richten sich nach Produkt und Saugfähigkeit der Unterlage und sind nach Herstellerangabe festzulegen. Bei Komposit-Produkten mit Vliesanteil ist die Menge so zu bemessen, dass der Vliesstoff vollständig getränkt wird.
Das Gitter wird nach dem Brechen der Emulsion faltenfrei und unter leichter Spannung abgerollt, maschinell oder von Hand, und angedrückt. Überlappungen in Längs- und Querrichtung sind nach Herstellerangabe auszuführen. Baustellenverkehr auf dem verlegten Gitter ist zu minimieren; Fertiger und Mischgut-Lkw dürfen nicht auf der Bewehrung wenden oder scharf bremsen. Die Deckschicht muss eine Mindestdicke aufweisen, damit das Gitter vollständig eingebettet ist. Die Prüfung des Schichtenverbunds, etwa durch Abscherversuche an Bohrkernen, sichert die Qualität.
Fräsbarkeit, Recycling und Regelwerk
Asphalt wird in Deutschland in hohem Maß wiederverwendet; jede eingebaute Bewehrung muss deshalb bei einer späteren Erneuerung ausgebaut werden können, ohne Fräse oder Mischanlage zu beeinträchtigen. Glasfasergitter gelten als gut fräsbar, weil die spröden Fasern beim Fräsen in kurze Stücke zerfallen, die im Fräsasphalt fein verteilt bleiben. Bei Polyestergittern und vliesreichen Produkten ist die Fräsbarkeit im Einzelfall zu prüfen, da zähe Fasern sich um die Fräswalze wickeln oder als Flusen im Granulat verbleiben können. Ob der Fräsasphalt ohne Einschränkung wiederverwendet werden kann, ist mit der zuständigen Straßenbauverwaltung abzustimmen.
Für die Ausschreibung empfiehlt es sich, Produktanforderungen wie Zugfestigkeit, Dehnung, Maschenweite und Beschichtung, die Anforderungen an Ansprühung und Mindestdicke der Überbauung sowie Nachweise zum Haftverbund und zur Fräsbarkeit klar zu benennen. Grundlage sind das FGSV-Merkblatt für Asphaltbewehrungen und die für den Asphaltbau geltenden ZTV und TL; ergänzend sind die Einbauanleitungen der Hersteller verbindlich zu beachten.
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Bewehrungsprodukte für den Asphaltstraßenbau finden Sie unter Glasfasergitter und Geokomposite; für ungebundene Tragschichten unterhalb der Asphaltschichten eignen sich Geogitter. Die Glossareinträge zum Geogitter, zu Geokunststoffen, zur Straßenentwässerung und zur Frostschutzschicht behandeln weitere Aspekte des Straßenoberbaus.
Häufige Fragen zur Asphaltbewehrung
Was bringt eine Asphaltbewehrung?
Eine Asphaltbewehrung verzögert das Durchschlagen von Rissen aus der Unterlage in die neue Deckschicht. Sie nimmt Zugspannungen auf, verteilt sie über eine größere Breite und bindet die Rissufer. Dadurch verlängert sich die Nutzungsdauer einer Instandsetzung. Voraussetzung ist eine ausreichend tragfähige Unterlage, denn Schäden im Unterbau oder Untergrund kann keine Bewehrung ausgleichen. Eine Zustandserfassung vor der Planung ist daher unverzichtbar.
Glasfasergitter oder Polyestergitter zur Asphaltbewehrung?
Glasfasergitter haben einen hohen Elastizitätsmodul und eine geringe Bruchdehnung, nehmen also bereits bei kleinen Verformungen hohe Kräfte auf, und gelten als gut fräsbar. Polyestergitter sind dehnfähiger und robuster beim Einbau, etwa auf unebenen Unterlagen oder bei Verbreiterungen. Die Wahl hängt von Schadensbild, Unterlage und den Anforderungen an das spätere Recycling ab. Bei Fugen von Betondecken werden überwiegend Glasfasergitter eingesetzt.
Wie wird ein Asphaltgitter eingebaut?
Die Unterlage wird gefräst oder gereinigt und ausgeglichen, Risse werden vergossen. Danach wird eine Bitumenansprühung in der vom Hersteller vorgegebenen Menge aufgebracht, das Gitter faltenfrei abgerollt und angedrückt. Überlappungen werden nach Herstellerangabe ausgeführt. Anschließend wird die Asphaltschicht in ausreichender Dicke eingebaut, ohne dass Fahrzeuge auf dem Gitter wenden. Abschließend wird der Haftverbund geprüft.
Kann bewehrter Asphalt recycelt werden?
Bei bitumenbeschichteten Glasfasergittern ist das Fräsen in der Regel unproblematisch, weil die Fasern in kurze Stücke zerfallen und im Fräsgut fein verteilt bleiben. Bei Polyester- und vliesreichen Produkten muss die Fräsbarkeit im Einzelfall nachgewiesen werden. Die Wiederverwendung des Fräsasphalts ist mit der zuständigen Straßenbauverwaltung abzustimmen und sollte bereits in der Ausschreibung berücksichtigt werden. Geeignete Nachweise sollten dort verlangt werden.
