Geogewebe — GeoTechnical Solutions

Ein Geogewebe ist ein gewebtes Geotextil, bei dem sich Kett- und Schussfäden rechtwinklig kreuzen und ein flächiges, formstabiles Erzeugnis mit definierter Öffnungsweite bilden. Gegenüber Vliesstoffen zeichnet es sich durch hohe Zugfestigkeit bei geringer Dehnung aus und übernimmt im Erd-, Straßen- und Wasserbau vor allem die Funktionen Bewehren und Trennen, je nach Öffnungsweite auch Filtern. Geogewebe gehören zur Gruppe der Geokunststoffe; Prüfung und Kennzeichnung erfolgen nach den europäischen Normen für Geotextilien, etwa DIN EN ISO 10319 für die Zugfestigkeit. Für die Bemessung als Bewehrung gilt in Deutschland EBGEO, für den Straßenbau regeln M Geok E und TL Geok E-StB Anforderungen und Einsatz.

Herstellung und Aufbau von Geogewebe

Geogewebe werden auf Webmaschinen aus Polymerfäden hergestellt. Die Kettfäden verlaufen in Produktionsrichtung, die Schussfäden quer dazu; ihre Anzahl und Stärke bestimmen die Festigkeit in beiden Richtungen. Als Fadenformen werden Bändchen, also flache, aus Folie geschnittene Streifen, und Monofilamente oder Multifilamentgarne verwendet. Bändchengewebe sind wirtschaftlich und eignen sich vor allem für Trennaufgaben mit mittleren Zugkräften. Monofilgewebe besitzen eine offenere, gleichmäßige Porenstruktur und werden bevorzugt eingesetzt, wenn neben der Trennung auch Filterwirkung gefordert ist.

Hochfeste Geogewebe für Bewehrungsaufgaben bestehen meist aus Polyester- oder Polyvinylalkoholgarnen und erreichen in Kettrichtung sehr hohe Zugfestigkeiten bei geringem Kriechen. Polypropylen ist chemisch sehr beständig, zeigt aber stärkeres Kriechen und wird eher für Trenn- und Filteraufgaben gewählt. Die Festigkeit kann ein- oder zweiaxial ausgelegt sein; bei einaxialen Geweben ist die Verlegerichtung auf die maßgebende Zugkraftrichtung abzustimmen.

Kennwerte und Prüfnormen

Für Ausschreibung und Bemessung sind die folgenden Kennwerte maßgebend; sie sind den Leistungserklärungen der Hersteller zu entnehmen:

Kennwert Einheit Prüfnorm Bedeutung
Höchstzugkraft längs und quer kN/m DIN EN ISO 10319 Ausgangswert für Bewehrungsbemessung
Dehnung bei Höchstzugkraft % DIN EN ISO 10319 Steifigkeit, Verformung im Gebrauch
Stempeldurchdrückkraft kN DIN EN ISO 12236 Robustheit beim Einbau
Charakteristische Öffnungsweite O90 mm DIN EN ISO 12956 Rückhaltevermögen, Filter- und Trennwirkung
Wasserdurchlässigkeit normal zur Ebene m/s bzw. l/(m²·s) DIN EN ISO 11058 Durchlässigkeit, Vermeidung von Wasserdruck

Für Bewehrungsaufgaben wird die Kurzzeitfestigkeit nach EBGEO über Reduktionsfaktoren für Kriechen, Einbauschäden, Verbindungen und Umgebungseinflüsse auf die Bemessungsfestigkeit abgemindert. Im Straßenbau wird die erforderliche Robustheit zusätzlich über Geotextilrobustheitsklassen nach TL Geok E-StB festgelegt, die sich nach Schüttmaterial, Einbaugerät und Untergrund richten.

Geogewebe und Vliesstoff im Vergleich

Geogewebe und Vliesstoffe werden beide als Geotextilien bezeichnet, unterscheiden sich aber grundlegend in Struktur und Verhalten. Vliesstoffe bestehen aus ungeordnet liegenden, mechanisch oder thermisch verfestigten Fasern; sie sind dick, dehnfähig und besitzen ein großes Porenvolumen. Dadurch eignen sie sich besonders zum Filtern, Dränen und Schützen, etwa von Abdichtungen. Geogewebe sind dünner, nehmen Zugkräfte bereits bei geringer Dehnung auf und haben eine definierte, gleichmäßige Öffnungsweite.

In der Praxis entscheidet die Hauptfunktion. Steht die Bewehrung im Vordergrund oder werden hohe Zugkräfte bei begrenzter Verformung verlangt, ist das Geogewebe die geeignete Wahl. Steht die Filterwirkung bei feinkörnigem, erosionsgefährdetem Boden im Vordergrund oder muss sich das Geotextil unebenem Untergrund anpassen, ist der Vliesstoff überlegen. Für die reine Trennung zwischen Feinboden und Schotter sind beide einsetzbar, wobei die Robustheit gegenüber dem Einbau des Schüttmaterials nachzuweisen ist. Wenn mehrere Funktionen gefordert sind, kommen Verbundprodukte aus Gewebe und Vlies in Frage.

Anwendungen von Geogewebe im Erd- und Straßenbau

Geogewebe werden überall dort eingesetzt, wo Zugkräfte flächig aufgenommen oder Bodenschichten dauerhaft getrennt werden müssen:

  • Dammbau auf weichem Untergrund: Basisbewehrung unter der ersten Schüttlage, Aufnahme der Spreizkräfte und Erhöhung der Grundbruchsicherheit
  • Basisbewehrung über Pfahl- oder Säulengründungen: Lastumlenkung auf die Tragglieder, meist in Kombination mit Geogittern
  • Trennlage unter Tragschichten und Baustraßen: Verhindern der Vermischung von Feinboden und Schotter bei hoher Beanspruchung
  • Bewehrte Böschungen und Stützkonstruktionen: lagenweiser Einbau als Zugglied im Schüttkörper
  • Wasserbau: Filter- und Trennlage unter Deckwerken, sofern Öffnungsweite und Durchlässigkeit zum Boden passen

Bei Dämmen auf sehr weichen Böden wird das Geogewebe häufig in Querrichtung zur Dammachse mit der hohen Festigkeit verlegt, da dort die maßgebenden Spreizkräfte auftreten; Stöße sind dann so auszubilden, dass sie die Zugkraft übertragen. Bei Bewehrungsaufgaben sind Nähte oder ausreichend lange Überlappungen erforderlich.

Verwandte ViaCon-Lösungen

Produktdaten finden Sie unter Geogewebe, Vliesstoffe und Geogitter im Bereich GeoTechnical Solutions. Weiterführende Glossareinträge erläutern die Geotextilien als Oberbegriff, das Trennvlies und das Filtervlies als Vliesstoffanwendungen sowie die Geokunststoffe insgesamt.

Häufige Fragen zu Geogeweben

Was ist der Unterschied zwischen Geogewebe und Geovlies?

Geogewebe bestehen aus rechtwinklig verwebten Kett- und Schussfäden, sind zugfest und dehnungsarm und dienen vor allem zum Bewehren und Trennen. Geovliese bestehen aus ungeordnet verfestigten Fasern, sind dicker und dehnfähiger und eignen sich besonders zum Filtern, Dränen und Schützen. Die Wahl richtet sich nach der Hauptfunktion im Bauwerk und nach dem anstehenden Boden. Für Mehrfachfunktionen gibt es Verbundprodukte.

Welche Zugfestigkeit hat ein Geogewebe?

Die Spanne ist groß: Trenngewebe aus Polypropylen-Bändchen liegen typischerweise im Bereich weniger zehn kN/m, hochfeste Bewehrungsgewebe aus Polyester erreichen mehrere hundert kN/m in Kettrichtung. Maßgebend ist die Höchstzugkraft nach DIN EN ISO 10319 aus der Leistungserklärung. Für die Bemessung wird sie nach EBGEO über Reduktionsfaktoren auf die Bemessungsfestigkeit abgemindert, die deutlich unter dem Kurzzeitwert liegt.

Wofür wird Geogewebe im Dammbau verwendet?

Bei Dämmen auf weichem Untergrund wird Geogewebe als Basisbewehrung unter der ersten Schüttlage eingebaut. Es nimmt die Spreizkräfte aus dem Dammkörper auf, erhöht die Sicherheit gegen Grundbruch und Gleiten und verringert ungleichmäßige Setzungen. Gleichzeitig trennt es Schüttmaterial und weichen Boden. Die hohe Festigkeit wird dazu in der Regel quer zur Dammachse ausgerichtet.

Was bedeutet die Öffnungsweite O90 bei Geogewebe?

Die charakteristische Öffnungsweite O90 gibt die Korngröße an, von der 90 Prozent der Körner im Nasssiebversuch nach DIN EN ISO 12956 vom Geotextil zurückgehalten werden. Sie beschreibt damit das Rückhaltevermögen. Für Filter- und Trennaufgaben muss die Öffnungsweite auf die Kornverteilung des anstehenden Bodens abgestimmt sein, damit kein Feinkorn ausgespült wird und das Gewebe nicht verstopft.