Behelfsbrücke — Bridges & Culverts Solutions

Eine Behelfsbrücke ist ein zeitlich befristetes Brückenbauwerk, das den Verkehr über ein Hindernis führt, solange das endgültige Bauwerk gebaut, instand gesetzt oder ersetzt wird. Gebräuchliche Bezeichnungen sind Interimsbrücke, Hilfsbrücke oder Behelfsumfahrungsbrücke. Kennzeichnend sind vorgefertigte und mehrfach verwendbare Tragelemente, eine kurze Montagezeit und eine begrenzte Standzeit. Die zulässige Verkehrslast wird über Lastklassen beschrieben: im Bestand und in der Nachrechnung über die Brückenklassen nach DIN 1072, bei neuer Bemessung über das Lastmodell LM1 der DIN EN 1991-2. Als Ingenieurbauwerk unterliegt auch eine Behelfsbrücke der Überwachung und Prüfung nach DIN 1076.

Einsatzfälle für Behelfsbrücken

Eine Behelfsbrücke wird eingesetzt, wenn eine Verkehrsverbindung erhalten bleiben muss, das vorhandene Bauwerk diese Aufgabe aber nicht mehr erfüllen kann. Beim Ersatzneubau übernimmt sie den Verkehr während Abbruch und Neubau und macht eine weiträumige Umleitung entbehrlich. Im Katastrophenfall, etwa nach Hochwasser, Hangrutschung oder plötzlichem Tragfähigkeitsverlust, stellt sie kurzfristig die Erreichbarkeit von Ortsteilen und die Zufahrt für Rettungsdienste wieder her. Bei ausgedehnten Baumaßnahmen dient sie als Baustellenumfahrung oder als Querung für schwere Baufahrzeuge abseits des öffentlichen Netzes.

Für die Auswahl der Bauart sind vor allem die zu überbrückende Stützweite, die geforderte lichte Weite im Gewässer- oder Gleisbereich, die Verkehrsart mit Fahrbahnbreite und Gehwegen sowie die Frage maßgebend, ob Zwischenstützen oder Gründungen im Abflussquerschnitt zugelassen werden.

Lastklassen und statischer Nachweis

Die Tragfähigkeit einer Behelfsbrücke wird über die Verkehrslast definiert, für die sie freigegeben ist. Im Straßennetz ist die Zuordnung nach den Brückenklassen der DIN 1072 als Verständigungsgrundlage weiterhin verbreitet, während neue Nachweise mit dem Lastmodell LM1 nach DIN EN 1991-2 und den Vorgaben der RE-ING geführt werden. Nachzuweisen sind neben den Verkehrslasten die Lasten aus Anprall und Geländern, Wind, gegebenenfalls Schnee und Eis sowie die Standsicherheit und Setzungsverträglichkeit der Behelfsauflager und ihrer Gründung. Bei Querungen von Gewässern kommt der Nachweis des Abflussquerschnitts hinzu, bei Bahnquerungen die Abstimmung der Lichtraumprofile und der Bauzustände mit dem Infrastrukturbetreiber. Reicht die Tragfähigkeit für den vorhandenen Schwerverkehr nicht aus, werden Lastbeschränkung, einspuriger Verkehr in Bauwerksmitte oder Geschwindigkeitsbegrenzungen als flankierende Maßnahmen festgelegt und beschildert.

Brückenklasse nach DIN 1072 Regelfahrzeug Typische Zuordnung
BK 60/30 Schwerlastwagen 60 t Bundes- und Landesstraßen mit Schwerverkehr
BK 30/30 Schwerlastwagen 30 t Kreis- und Gemeindestraßen
BK 16/16 Lastkraftwagen 16 t Anliegerstraßen und Wirtschaftswege mit Lkw-Verkehr
BK 12/12 Lastkraftwagen 12 t land- und forstwirtschaftliche Wege

Montagezeit, Miete und Kauf

Die kurze Bauzeit vor Ort ergibt sich aus der Vorfertigung. Die Tragelemente werden angeliefert, neben der Endlage vormontiert und anschließend eingehoben oder in Längsrichtung eingeschoben. Zeitbestimmend sind daher nicht der Überbau, sondern die Behelfsauflager mit ihrer Gründung sowie die Rampen und Anschlüsse an den Bestand. Sind Gründung und Anschlussbereiche vorbereitet, lässt sich der Überbau je nach Stützweite innerhalb weniger Tage bis Wochen verlegen und für den Verkehr freigeben.

Ob Miete oder Kauf wirtschaftlicher ist, entscheidet sich vor allem über die geplante Standzeit und die Wiederverwendbarkeit im eigenen Netz:

  • einmaliger Bedarf mit Standzeit von einigen Monaten: Miete einschließlich Montage und Rückbau
  • wiederkehrender Bedarf mit mehreren Baumaßnahmen in Folge: Kauf mit eigener Lagerhaltung und Wiederverwendung
  • Standzeit über mehrere Jahre: Gegenüberstellung von Miete, Montage, Rückbau, Bauwerksprüfung und Unterhalt über die gesamte Nutzungsdauer
  • besondere Geometrie, Schrägkreuzung oder erhöhte Lastklasse: Sonderentwurf, der in der Regel erworben wird

Rückbau und Wiederverwendung

Behelfsbrücken sind auf den Rückbau hin konstruiert. Geschraubte Verbindungen, definierte Anschlagpunkte und modulare Längen erlauben eine Demontage in der umgekehrten Reihenfolge der Montage, ohne die Bauteile zu zerstören. Vor der Wiederverwendung werden Tragelemente, Verbindungsmittel und Korrosionsschutz geprüft, geschädigte Teile ausgetauscht und die Bauteile mit Nachweisen dem Lager zugeführt. Die Auflager und Gründungen werden je nach wasserrechtlicher oder straßenrechtlicher Auflage vollständig entfernt oder verbleiben unterhalb der späteren Geländeoberkante. Der Abflussquerschnitt eines Gewässers ist dabei im ursprünglichen Zustand wiederherzustellen. Diese Kreislaufführung ist der wesentliche Unterschied zu einer dauerhaften Ersatzlösung: Der Stahlüberbau wandert von Baustelle zu Baustelle, während nur die bauwerksbezogenen Anpassungen neu erstellt werden.

Verwandte ViaCon-Lösungen

Einen Überblick über dauerhafte Brücken- und Durchlassbauwerke gibt die Übersicht der Brücken- und Durchlasslösungen von ViaCon. Soll die Behelfslösung durch ein dauerhaftes Bauwerk mit kurzer Bauzeit ersetzt werden, sind ViaCon Wellstahlbauwerke als Boden-Stahl-Verbundbauwerke eine Alternative; für kleinere Stützweiten und Gewässerquerungen eignen sich flexible Durchlasssysteme aus Stahlwellenrohren. Die planerischen Grundlagen dazu erläutern die Glossareinträge zum Brückenbau, zur Bogenbrücke, zum Widerlager und zur lichten Weite.

Häufige Fragen zu Behelfsbrücken

Wie lange dauert die Montage einer Behelfsbrücke?

Der Überbau lässt sich bei vorbereiteten Auflagern je nach Stützweite innerhalb weniger Tage bis Wochen einbauen. Der Terminplan wird meist nicht vom Überbau bestimmt, sondern von der Gründung der Behelfsauflager, den Rampen und den verkehrsrechtlichen Anordnungen. Wer Gründung, Anschlüsse und Verkehrsführung parallel zur Fertigung plant, verkürzt die Sperrzeit deutlich.

Welche Lastklasse muss eine Behelfsbrücke erfüllen?

Maßgebend ist der Verkehr, der über das Bauwerk geführt werden soll. Für Straßen mit Schwerverkehr wird üblicherweise eine Tragfähigkeit entsprechend BK 60/30 nach DIN 1072 beziehungsweise ein Nachweis mit dem Lastmodell LM1 nach DIN EN 1991-2 gefordert. Für Wirtschaftswege oder reine Baustellenverkehre genügen niedrigere Klassen, die durch Beschilderung und Lastbeschränkung abgesichert werden.

Ist Miete oder Kauf einer Behelfsbrücke sinnvoller?

Ausschlaggebend sind Standzeit und Wiederverwendung. Bei einmaligem Bedarf über einige Monate ist die Miete mit Montage und Rückbau meist die einfachere Lösung. Baulastträger mit mehreren Ersatzneubauten in Folge fahren mit Kauf und eigener Lagerhaltung besser, weil derselbe Überbau nach Prüfung und Instandsetzung an der nächsten Maßnahme wieder eingesetzt werden kann.

Was unterscheidet eine Behelfsbrücke von einem Boden-Stahl-Verbundbauwerk?

Die Behelfsbrücke ist eine temporäre, rückbaubare Konstruktion, die ihre Lasten über Behelfsauflager abträgt und nach Gebrauch demontiert wird. Ein Boden-Stahl-Verbundbauwerk aus Wellstahl ist ein dauerhaftes Bauwerk, bei dem Stahlprofil und verdichtete Hinterfüllung gemeinsam tragen. Es wird ebenfalls schnell montiert, bleibt aber im Netz und wird nach DIN 1076 wie jedes andere Ingenieurbauwerk geprüft.